CVJM-Dreieck

Christlicher Verein Junger  Menschen

Computerspiele und „LAN-Party“ im CVJM
Erfahrungen aus Ergste – von Martin

Das Orga Team der CVJM Ergste LAN-Party:   Joachim Stritz (Spade), Alexander Queißer (Style)
                                                                       und Martin Zierke (markZman)

Die Jungen in meiner Jungenschaft hatten mich neugierig gemacht. Ständig sprachen sie über Computerspiele. Das konnte ich nicht direkt nachvollziehen. Denn die Spiele, die da „on topic“ waren, konnte ich mit meinem LAN Party 1alten und langsamen Computer nicht spielen. Durch einen glücklichen Zufall konnte ich mir einen neuen Rechner zulegen und so in die Spielwelt der Jungenschaftler eintauchen. Ich war fasziniert von den Spielen, Grafiken und Aktionen. Allerdings merkte ich, dass die Jungen, die zum Teil Haustür an Haustür wohnen, oft nur über Internet zusammen spielten – und zwar hauptsächlich das umstrittene Spiel „Counterstrike“, „Unreal Tournament“ und „Diabolo 2“.

Im Mitarbeiterkreis der Jungenschaft kamen wir auf die Idee, für unsere Jungenschaft eine kleine „LAN-Party“ im CVJM-Heim in Ergste zu organisieren. Das ging recht einfach und stieß auch im Vorstand des Vereins nicht auf Widerstand. Wir bauten ein kleines Netzwerk auf, ausgelegt für 11 Rechner. Das lief alles recht problemlos. Auf dem Programm standen Spiele der Kategorie „Ego-Shooter“ und „Strategie“. Wir nahmen ein kleines Entgelt für Essen und Trinken und spielten quasi von Freitagabend bis Sonntagmittag durch. Das machten wir 3-mal im Jahr.

Aufgrund dieser Erfahrungen wollten wir eine größere Sache aufziehen: Eine „Lan-Party“, auf der man auch LANparty 3kleine Turniere austragen konnte. Also planten wir ein Projekt für 32 Personen, die wir zunächst aus unserem Bekanntenkreis einladen wollten, um Erfahrung mit so einer großen Gruppe zu sammeln.

Als erstes brauchten wir einen größeren Raum. Ich bin Hausmeister in unserer Gemeinde, und es war einfach den großen Saal zu organisieren. Das Thema Technik erschien für uns kein Problem zu sein, die Finanzierung für die Aktion stand.

Ja, und dann kam „Erfurt“. Dann war plötzlich alles anders. Die Diskussion, die danach in den Medien geführt wurde, gerade in Bezug auf Computerspiele, war verheerend für die Akzeptanz derartiger Veranstaltungen. Auf die meines Erachtens falschen Presseberichte, gerade in Bezug auf „Counterstrike“ möchte ich hier nicht eingehen. Aber nach dieser schrecklichen Tat von Robert Steinhäuser, mussten wir unser Konzept für die „Lan-Party“ im CVJM völlig neu überdenken werden.

Wir sahen uns mit dem Vorwurf konfrontiert, nicht mehr einen Ort für „Spielefreaks“ zu schaffen, sondern Amokläufern ein Schießtraining zu ermöglichen (so zumindest sah meines Erachtens die Öffentlichkeit).

In unserem Verein mussten wir Jungenschaftsleiter erklären, was wir da eigentlich machen. Im Vorstand führe ich auch das Spiel „Counterstrike“ vor. Das Gros der Vorstandsmitglieder kannte es gar nicht und musste sich erst mal ein Bild davon machen. Viele waren überrascht von dem Realismus des Spiels. Hatten dann aber nichts gegen die geplante „Lan-Party“.

Der Knackpunkt: Ohne „Counterstrike“ hätten wir auf den Event verzichten müssen. Denn das ist das Spiel, das die Jungen spielen wollen, und mir persönlich macht es auch großen Spaß. Jetzt waren wir gefragt, Pro und Contra abzuwägen: Kann man solche Spiele im CVJM spielen? Worum geht es da eigentlich? Ist es wirklich nur ein Spiel oder realistisches Schießtraining? Wie ist die Öffentlichkeitswirkung in der Gemeinde? Wir kamen zu dem Schluss, dass man mit solchen Aktionen Jugendliche erreicht, die sonst nicht in die Gruppenstunden kommen. Wir wollten die Teens auch nicht allein spielen lassen, sondern mit ihnen ins Gespräch kommen und die Spiele nicht unkommentiert laufen lassen.

Der CVJM-Vorstand und die Gemeinde sahen die Chance, die sich dem Verein bot und erkannten, dass man so ein neues Betätigungsfeld aufbauen kann. Also feilten wir an einem Konzept, das dieses Anliegen unterstrich. Trotz der Bauchschmerzen einiger  Vorstandsmitglieder in Bezug auf „Counterstrike“, wurde unserem Konzept und der „Lan-Party“ „grünes Licht“ gegeben. Auch die finanziellen Mittel wurde zur Verfügung gestellt.

Das Konzept in Stichpunkten: Geistlicher Input/ Andacht; Diskussion über die Tat in Erfurt, Diskussion über LANparty 2die Spiele, Verbot indizierter Spiele, Kein (wie auf anderen „Lan-Parties“ üblich) Austausch von Software, gemeinsame Mahlzeiten – verbindlich für alle als Pause ohne Computer, Teilnehmer: nur Jugendlich ab 16 Jahren.

Knapp wäre unser Vorhaben gescheitert, denn das Spiel „Counterstrike“ sollte auf den Index kommen. Es war eine „heiße“ Diskussion – aber: ohne „Counterstrike“ keine „Lan Party“. Es wäre keiner gekommen. Das ist das Spiel, das die Jungen spielen wollen. Wäre es indiziert worden, hätten wir es nicht mit 16jährigen spielen dürfen. Mit Älteren wäre es keine Jugendarbeit mehr gewesen. Das war nicht unser Ziel. So konnten wir am Ende eine „Netzwerk-Party“ mit 22 Teilnehmern starten, mit vollem Erfolg. Die Jugendlichen fühlten sich nicht gestört durch die Pausen, die wir einbauten um zu essen oder zu diskutieren. Auch die Andacht wurde interessiert aufgenommen. Wir achteten darauf, viele Begriffe und Bezüge der „Community“ (Gemeinschaft der Spielefreaks) der Computerspieler in die Verkündigung einarbeiten, um CVJM Fremde einzubinden.

Ich denke, dass man in der Szene drin stecken muss, um diese Jugendlichen zu erreichen. Ähnlich wie es Jürgen Vogels in der Biker Bibel geschrieben hat: Man kann ihnen nicht nur was erzählen, sondern muss mitmachen und wissen wovon man spricht. Erst dann wirkt man authentisch und wird von den Jugendlichen akzeptiert.

Fazit: Ich denke, dass ein Angebot wie „Netzwerk-Parties“ sehr wohl seinen Platz im CVJM finden kann. Die Jugendlichen werden stark von den neuen Medien wie Computer und Internet beeinflusst. Das ist ein Thema, das sie interessiert. Dort müssen wir sie abholen und einen Platz bieten, an dem sie sich auf diesem Gebiet austoben können. Und unsere Erfahrungen bisher haben gezeigt, das man auch mit LAN-Parties die Ziele und Inhalte der CVJM Arbeit „rüberbringen“ kann. Man kann den Jugendlichen zeigen, dass Christen völlig normale Menschen sind, die sogar dieselben Spiele spielen wie sie. Durch die Diskussionen und die Andachten kann man sich und seine Ansichten einbringen und die Jugendlichen erreichen. Wichtig dabei ist, dass sich so ein Event im CVJM schon von den kommerziellen Veranstaltungen mit hunderten von Spielern abheben muss. Und: wenn zu viele dabei sind, verliert man den einzelnen aus den Augen. Das Konzept, das man hat sollte schon durchdacht sein und auf die Bedürfnisse des einzelnen und der Gruppe eingehen können.

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